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Blau ist die Lieblingsfarbe der meisten Menschen.


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Kleine Farbengeschichte

 

 rote erde  erdfarbe  lascaux

Farbige Erden

Kulturgeschichte ist immer auch Farbengeschichte.Die Geschichte des menschlichen Ausdrucks beginnt mit

Naturfarben. Sei es bei der Körperbemalung, bei der Darstellung von Tieren oder sei es bei der Bestattung von

Verstorbenen : mit bunten Erdfarben und Kohlestücken setzt der frühe Mensch seine ersten farbigen Symbole

und Zeichen. Mit nur 4-5 Farbtönen entstehen vor mehr als 30.000 Jahren faszinierende Kunstwerke, die bis

heute in Höhlen erstaunlich gut erhalten geblieben sind. Erdfarben begleiten auch das Wohnen und Bauen

und sind bis heute Teil einer lebendigen Tradition. Bei einigen Naturvölkern kann auch heute noch der alltägliche

Einsatz von Naturfarben miterlebt werden.

 lapis roh  aegypt blau  jorus 

Farbige Halbedelsteine

Mit bunten Edel- und Halbedelsteinen - geschliffen oder vermahlen -  wird die Farbenpalette in der Vorzeit

bunter und kostbarer. In den frühen Hochkulturen manifestiert sich ein Streben, die beschränkte Auswahl auf

der Farbpalette zu erweitern und neue bunte Farbtöne zu schaffen. Farben werden zu begehrten Gütern,

die nun über lange Handelstrassen reisen. Ihr Besitz bedeutet Macht und Prestige. Bestimmte Herrscher-

schichten und Führer nehmen sogar einzelne Farben in Besitz und grenzen sich mit Farben ab.

Ein Lapislazuli-Stein ist  z.B. das Privileg des Pharao. Mit Experimentierfreude und vielleicht auch durch

Zufall entstehen auch erste künstliche Farbschöpfungen durch Brennprozesse. Mit Erzen und Chemikalien

aus der Natur werden gezielt erste künstliche Farbpigmente geschaffen. Farben aus natürlichen Rohrstoffen

bleiben aber über Jahrtausende vorherrschend. Gewisse Errungenschaften der „Farbenbranche“ (z.B. Kobaltblau) 

geraten sogar wieder in Vergessenheit und werden erst in der Neuzeit wiederentdeckt.

 beeren  pigmentladen  barock

Farbige Pflanzen

Färbende Blätter, Wurzeln und Beeren bringen früh neue Farbtöne ins gesellschaftliche Leben.

Mit der farbigen Bekleidung ziehen auch Pflanzenfarben ins Haus und in den Palast.

Doch die Sensibilität der Pflanzenfarben und der enorme Aufwand beim Herstellen machen auch

diese Naturfarben zu Kostbarkeiten. Beschränkung weckt immer auch Begehrlichkeiten.

Soziale Schichtung erfolgt immer schon durch Farben. Profit, Luxus, Gier und Grausamkeit

manifestiert sich nicht selten in Verbindung mit Mode-Farben. Es entstehen schon in der Antike

spezialisierte Gruppen von Farbenherstellern und bald einmal auch eine „Zunft“ der Farben-Fälscher.

Mit der Entdeckung ergiebiger Färberpflanzen und Hölzer entsteht im Mittelalter mit der Färberei ein 

bedeutender wirtschaftlicher Aufschwung in Europa  In Folge der Erfindung synthetischer Färbemitteln

im 19. Jahrhundert erleben die Naturfarben-Hersteller jedoch einen radikalen Zusammenbruch,

von dem sie sich nie mehr erholen.

lufer  tube  fenster

 

Farbige Tiere

Auch Tiere werden als Färbemittel in frühen Hochkulturen verwendet – vor allem als Färbemittel

im Textilbereich. Purpurchnecke, Cochenille- und Kermes-Läuse bringen eine nie gesehene

Farbenpracht in die Herrscherhäuser. Neben Gold und Silber gehören Tierfarben damals zu den

begehrtesten Handelgütern aus der neuen Welt.

Die Ausbeutung der Natur kennt zeitweise keine Grenzen. Alles kann zur „Droge“ werden –

auch Farben. So entsteht aus dem Handel mit „trockenen“ Farben schliesslich der Beruf des Drogisten.

Selbst zu Beginn des 20. Jahrhundert noch lieferten indische Kühe unter Qualen Farben.

Mangoblätter als Futter der indischen Kühe ergab das Indischgelb, das aus dem farbstoffhaltigen Urin

gewonnen wurde.

 

gelb  mumie  schiefer  

„Farbige“ Menschen

Selbst Menschen stehen auf der kuriosen Liste der „Farbenlieferanten“. Zeitweise wird aus einbalsamierten

ägyptischen Mumien ein brauner Teer-Farbstoff für die Malerei gewonnen.

schaufeln glser farbflaschen  

 

Farbenrevolution mit Folgen

Die chemische Industrie beginnt ihre Blütezeit im 19. Jahrhundert mit der Entwicklung von künstlichen

Farben. Das Erdöl und seine Derivate erlaubt eine markant billigere Herstellung von synthetischen

Pigmenten. Naturfarben können mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr Schritt halten

und verschwinden in der Bedeutungslosigkeit. Eine noch nie da gewesene Buntheit zieht in die

moderne Welt der Menschen ein. Standardisierte Farbpigmente bringen technologisch tatsächlich viele

Vorteile – manchmal aber auch gefährliche Nachteile. Gewisse Farbkreationen erweisen sich aber als

besonders gefährlich für Mensch und Umwelt und müssen schon bald wieder verboten werden.

Viele Bilder in Museen und farbige Wohnräume werden zu wahren Giftkisten und hinterlassen nachweis-

bare Folgeschäden bei den MalerInnen.

Farben kennen plötzlich keine Grenzen mehr – nicht nur geographisch. Farben werden nun für alle

erschwinglich und jederzeit einsetzbar. Bestimmte Gesellschaftsschichten, die sich vorher durch bestimmte

Farben abgrenzen konnten, werden ihrer sozialen Abschottungsmöglichkeit beraubt.

Eine Demokratiesierung blüht neu in Farbe(n).

huser p  stifte  mereng

Das laute Kunterbunt - Plädoyer für mehr Farbenökologie

Wer tiefer in die Welt der synthetischen Farben schaut, erlebt oft eine gähnende Langeweile 

und eine knallige Farbenplattheit. Künstliche Pigmente sind herstellungsbedingt gleichförmig.

Das ist die Kehrseite der industriellen Produktion. Nichts kann organische oder anorganische Natur-

farben in ihrer Lebendigkeit und subtilen Ausstrahlungskraft ersetzen. Selbst wenn die chemischen

Formeln für ein bestimmtes Pigment gleich sein mögen, die Wirkung ist mit einer Naturfarbe nicht zu

vergleichen. Ein Blick ins Mikroskop schafft hier letzte Klarheit. Ein Naturpigment gibt dem Licht mehr

Entfaltungsmöglichkeiten und reflektierende Dynamik.

Gewisse Pflanzenfarben tragen sogar Komponenten aus dem Komplementärfarbenbereich mit sich

und  wirken auf das menschliche Auge in unnachahmlicher Weise. Eine besonders lebendige Farbigkeit

strahlt aus den Pflanzenfarben in Verbindung mit der Lasurtechnik. Mineralische Naturfarben

(z.B. Lapislazuli-Blau) blitzen wie „Sternenhimmel“ durch ihre unregelmässigen kristallinen Strukturen.

huser versuche  farbflchen  deckenmalerei

 

Naturfarben – die Zukunft liegt in der Vergangenheit

Wichtig im Umgang mit Naturfarben ist das Kennenlernen dieser subtilen Wirkungsweisen beim Herstellen

von Farben, Gestalten von Farbflächen und Farbkombinationen. Wer einmal die vielen Schritte einer Farben-

herstellung miterlebt hat, betrachtet alle Farben aus einem neuen Blickwinkel. Naturfarben-Herstellung hat

hier einen besonderen Reiz.

Sowohl ökologische Fragen wie auch farbgestalterische Aspekte verlangen ein Nachdenken über den

grundlegenden Einsatz von Farben. Auch wenn nicht alle Naturfarben unbedenklich sind, ist der Einsatz

von umweltverträglichen Farben ein wichtiges Postulat an die Zukunft.

Die sinnvolle Verbindung bewährter Traditionen und neuer Technologien im Farbenbereich ist sinnvoll

und wünschenswert. Auch für das Auge wäre wieder eine neue (bewusste) Farbenwahl angesagt –

besonders im Therapiebereich. Bewusste Farbplanung und Gestaltung muss wieder vermehrt im Einklang

mit der Natur gesucht werden. Die immense Farbenfülle der Gegenwart zeigt Schattenseiten.

Sinnesüberreizung ist ein neu geschaffenes Problem grosstädtischer Zivilisation und ist in ihren

Auswirkungen sichtbar. Auch als Mensch bleiben wir ein Teil der natürlichen Schöpfung und müssen uns

in Respekt und neuer Beschränkung mit Farben üben.  Das in der Natur und ihren Farben innewohnende

„Harmoniestreben“ bietet sich hier für die Zukunft als sinnvollen Lösungsweg an.

pflanze  ginko  reben

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