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Farbenlexikon - die Farbe Grün

 

Alles im grünen Bereich

 

Bei der additiven Farbmischung (neben Rot und Blau) ist Grün eine Primärfarbe.

Als Mischfarbe zwischen den Ur- oder Grundfarben Gelb und Blau (subtraktive Farbmischung) – erfüllt Grün als Sekundärfarbe bei visuellen Gestaltungsfragen eine wichtige Vermittlerrolle.

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Die Farbe des Pflanzenreichs

Grün verkörpert die Vegetation schlechthin und ist die Symbol-Farbe des Lebens. Unsere Augen – respektive unser Gehirn – waren immer schon auf feine Nuancen des Grüns spezialisiert - vor allem wenn es um Nahrung ging. Alle farblichen Abweichungen von Grün zu Gelb und Rot haben in eine wichtige Rolle bei der Suche nach Nahrung gespielt. Reif oder unreif – das war immer schon eine zentrale Frage beim Homo sapiens und erklärt die besondere Bedeutung der Farbe Grün.

 

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Das schöne Grün

Fast der ganze Erdball wird mehr oder weniger dicht von einer Vegetation überzogen. Wachstum und Reifung prägen die positive Verknüpfung mit Grün – besonders im Frühling, wenn alles zu ergrünen beginnt. Damit verbindet sich immer auch Hoffnung, Kraft, Jugendlichkeit, Zuversicht und Erwartung. Deshalb steht heute Grün auch als Symbolfarbe für alle sozialen und politischen Bewegungen, die Veränderungen und nachhaltige Verbesserungen anstreben.

 

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Religionen wie das Christentum und der Islam messen der Farbe Grün eine besonders positive Stellung bei. Selbst das ferne Asien bewertet Grün durchwegs als gute Farbe bei der Lehre der fünf Elemente.

 

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Im heutigen Alltag verkörpert Grün bei Hinweisen und Geboten das Normale, Gute, Richtige usw. und nimmt im Spiel der ordnenden Kräfte eine zentrale Führungsrolle ein. Grün ist die globale Richt- und Leitfarbe bei der zwischenmenschlichen Kommunikation geworden. Signal-Rot steht dagegen als Antipode zum bejahenden Grün.

 

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Das abstossende Grün

Bestimmte Grüntöne lösen beim Menschen unmittelbare Abwehrreaktionen aus. Bestimmte Krankheitsbilder (z.B. Übelkeit, Blutarmut) sind mit Grün verknüpft. Auch gewisse Eigenschaften wie Gier, Neid, Eifersucht werden in unserem Kulturkreis mit Grün in Verbindung gebracht. Fehlende Kompetenz („greenhorn“) und Unerfahrenheit („grün hinter den Ohren“) ergänzen die negativen Seiten des Grüns.

 

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Ein schönes Grün als eigenständige und haltbare Malfarbe war lange Zeit ein unerreichbares Gut. Zwar gehört Grüne Erde als mineralisches Verwitterungsprodukt zu den ältesten Farben, doch als intensive Farbe erlebte Grün erst mit der Kunst der Färberei ihre eigentliche Geburt.

 

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Da das pflanzliche Grün (Chlorophyll) rasch zerfällt und schlecht lichtbeständig ist, war ein beständiger Grünton nur durch die Mischung von stabilen Gelb- und Blautönen zu erzielen.

 

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Bei der Malerei war Grün bis zu Entwicklung chemischer Verbindungen ein aufwändiger Verarbeitungs-Prozess. Wegen der Giftigkeit verschiedener grüner Farbtöne (z.B. Schweinfurter Grün) , die im 18. Jahrhundert auf den Markt kamen, genoss Grün lange einen schlechten Ruf.

 

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Der Impressionismus bringt das Grün zum Blühen.

In der Malerei des Abendlandes erlebt die Farbe Grün ihre eigentliche Geburt mit der Bewegung des Impressionismus. Neben der Entwicklung herrlicher Grüntöne durch die aufkommende Farbenindustrie im 18. und 19. Jahrhundert gehören weitere grundlegende Veränderungen in der Malerei dazu.

Die Künstler verlassen immer mehr ihre Malateliers und malen direkt und spontan vor der Natur.

 

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Tragbare Malutensilien und transportierbare Farben (Tragbare Staffeleien, kleine Malkästen mit Farb-Näpfchen und die neu erfundenen Metalltuben) ermöglichen ein mobiles Kunstschaffen, wie es vorher nie in dieser Form gab.

 

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Während Jahrhunderten arbeiteten die Künstler/innen als Handwerker in ihren oft dunklen Wekstätten und pflegen eine von Dunkeltönen geprägte Maltradition. Die Entdeckung des Sonnenlichts mit dem wechselnden Farbenspiel und die Buntheit der Natur, vor allem die Farben des Südens, bringen eine radikale Farbenrevolution auf der Malpalette.

 

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Die umwälzende Entwicklung der synthetischen Farbenbuntheit führt auch zu einem Farbentanz auf den Leinwänden, die alle Dimensionen zu sprengen beginnt. Denken wir nur an die Seerosen-Bilder von Claude Monet oder die Landschaften von Van Gogh. Grün wird zur beherrschenden Farbe der Landschaftsmalerei, die als neues Thema die religiösen Themen in den Hintergrund stellt.

 

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Zwischen Gelb und Blau liegt ein grünes Universum

Kein Mischerlebnis im Farbenunterricht ist tiefgreifender als das Zusammenführen der Grundfarben Gelb und Blau. Die frappierende Bildung des Grüns aus zwei so gegensätzlichen Farbtönen ist ein verblüffendes Erlebnis der Farbmagie, das bereits kleine Kinder in den Bann zieht. Man kann hier schon fast von Alchemie sprechen und bereitet uns allen eine besondere Freude bei der Spielerei mit Farben. Je nach Ausgangslage der Gelb- und Blautöne (ergänzbar mit Weiss und Schwarz) lässt sich breites Feld an unterschiedlichsten Farbnuancen mischen. Diese Farbenvielfalt brauchen wir vor allem bei der Darstellung des Pflanzenreichs und des Elements Wasser.

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Je nach Grünton scheiden sich auffällig rasch die Geschmäcker. Ein typischer Grünton ist kaum klar zu definieren und löst schnell unterschiedliche Empfindungen aus. Kein Wunder gehört Grün in jeden wichtigen Farbenpsychologie-Test und erzählt einiges über eine momentane Lebenseinstellung.

 

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Schrittweise Emanzipation der Farben

 

Zu den Wegbereitern dieser Entwicklung gehört auch Paul Klee, der in der Farbtheorie und mit seiner persönlichen Malerei neue Horizonte auftat. Die Ausflüge des jungen Paul Klee in die Ostermundiger Steinbrüche offenbaren wichtige Schlüsselerlebnisse zu den gestalterischen Kräften, die an diesem einzigartigen Ort bis heute zu erleben sind. Die subtile Farbenwelt der grünen Sandsteine und die von Menschenhand geformte Formensprache des Steinbruchs haben eine nicht zu unterschätzende nachhaltige Wirkung auf das spätere Werk.

 
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Gleichwertigkeit aller Farben

 

Mit der Befreiung der Farben von einer Bindung an bestimmte Bildinhalte entsteht im 20. Jahrhundert ein neues Experimentieren mit Farbflächen. Jeder Farbton wird zu einem eigenen Kraftpotential, das bei Gestaltungsprozessen gezielt eingesetzt. Eine Fülle von neuen Farbordnungen begleitet die Diskussion über modernes Kunstschaffen. Das trifft besonders für die Farbe Grün zu, die in der Hierarchie der Farben einen stets wechselnden Platz einnimmt. Mal ist Grün Primärfarbe, mal Sekundärfarbe. Pluralität, Universalität aber auch Individualität beherrschen von nun die Welt der freien Farben.

 

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