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Klassische Zeichenwerkzeuge

Der Bleistift

Ein Alltag ohne Bleistifte ist heute kaum mehr denkbar. Dieses universale Zeichenwerkzeug hat schnell die ganze Welt erobert. Vor vier Jahrhunderten löste die Erfindung des leichten, handlichen und preiswerten Werkzeugs eine Revolution aus.    

"Man malt mit dem Gehirn und nicht mit den Händen".  Michelangelo
 

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                         Bleistift nach Conrad Gesner (1565) mit Klemm-Fassung

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Wissenschaftliche Zeichnung einer Waldbeere von Conrad Gesner (entstanden zwischen 1555 und 1565)

 

 

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           Moderner Bleistift mit Holz-Fassung                                           Moderner Fix-Pencil mit Metallfassung

Heute werden weltweit etwa 14 Milliarden Bleistifte pro Jahr hergestellt! Wie bei vielen Erfindungen ist auch hier der Krieg entscheidend für die Entwicklung gewesen. 

Durch die Blockade von Graphitlieferungen aus England, entwickelte der Franzose Conté 1795 eine Mischung aus gemahlenem Graphit, Ton und Wasser, die beim Brennen ein robustes Zeichenmaterial ergibt. Natur-Graphit ist sehr brüchig und konnte ursprünglich nur in groben Stücken als Zeichenmaterial verwendet werden. Blei enthält der Bleistift keines – der Name geht auf frühere Stifte aus (Reiss-)Blei zurück, die man im Mittelalter verwendete. 

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               Bild: Lucile Subit                                        Bild: Hans Erni

Die maschinelle Herstellung im 19.Jahrhundert ermöglichte eine gewaltige Steigerung der Produktionsmenge und lieferte Bleistifte mit unterschiedlichen Härtegraden für verschiedene Anwendungsbereiche.

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      Reiner Graphit                            Tonerde                        Mischung Graphitpulver/Tonerde

gramodel Das einfach aufgebaute Kristallgitter des Graphits.

Die parallel geschichteten Graphit-Lagen lassen sich mit leichtem Druck verschieben und werden beim Schreiben und Zeichnen auf der Oberfläche abgerieben.

Material

Bleistifte sollten also eigentlich Graphitstifte heissen, da sie aus einem bestimmten Gemisch aus Ton- und Graphitpulver bestehen. Mit dem Anteil des Tons nimmt die Härte und Helligkeit der Mine stetig zu. Gewöhnliche Bleistifte bestehen aus Graphit und Ton im Verhältnis 1:1. Eine sehr weiche (dunkle) Mine besteht aus 70% Graphit und 30% Ton. Ausserdem wird die Härte von der Brenndauer und Brennhitze bestimmt.

Beispiel einer Gradationstabelle (maschinell hergestellte Vergleichsreihe verschiedener Härtegrade):

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Leider gibt es bis heute keine übereinstimmende internationale Normierung für Bleistifthärten. Die Palette von Härtegraden umfasst bis zu 20 Gradationen und wird vom jeweiligen Hersteller bestimmt.

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Graphitstifte (ohne Holzfassung) gibt es heute in den verschiedensten Grössen, Gradationen und Formen
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"Frottage" - eine beliebte Technik für Graphit-Kreiden

Minenherstellung und Holzfassung

Die feuchte Graphit-Tonmischung wird durch eine Düse zu einem Strang gepresst, in bestimmte Längen geschnitten, getrocknet und dann bei ca.1000 Grad Celsius in Metallbehältern gebrannt. Nachher werden die porösen Minen mit Wachs veredelt, was die Abrieb- und Hafteigenschaften auf dem Malgrund verbessert.

Die fertigen Minen werden dann in Holzplättchen aus weichem Holz (Zedernholz) verarbeitet. Dazu werden Nuten in die Holzplatten gefräst, die fertigen Minen darin eingelegt und gut verleimt. Anschliessend werden die einzelnen Bleistifte aus dem "Sandwich" gefräst, farbig lackiert und beschriftet. Die Herstellung von Biei- und Farbstiften ist weitgehend identisch.(siehe nächstes

Kapitel Farbstifte)

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Graphit-Mine in einer rund gefrästen Nute            "Sandwich-Verfahren": Minen werden zwischen zwei Brettchen verleimt

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Rund gefräste Stifte lassen sich gut in den Fingern drehen - Stifte mit hexagonaler Form "sitzen" besser in den Fingern.

Dazu rollen hexagonale Stifte in Schräglage nicht davon.

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Eine exakte Zentrierung der Mine in der Holzfassung ist für späteres Spitzen wichtig und ein Qualitätsmerkmal

Anwendungen

Die Schreibfähigkeit des Bleistiftes basiert auf der geschichteten Kristallstruktur des Graphits. Mit leichtem (mechanischem) Hand- und Fingerdruck können die Kohlenstoff-Atomlagen auf einem Malgrund abgerieben werden.

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      Nahaufnahme: Papieroberfläche mit Bleistiftspuren

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Je nach Handhaltung und Druck lässt sich der Abrieb der Minenspitze stark variieren und macht den besonderen Reiz dieses Mediums aus.

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Reiseskizze aus dem 18.Jahrhundert (Zeichner/in unbekannt). Schöne kontrastreiche Zeichnung mit Licht-Schatten-Partien

Die relativ gute Wischfestigkeit und das wasserabstossende Graphitmaterial machen den Bleistift zu einem Zeichenwerkzeug selbst für extreme Bedingungen - z.B. für Zeichnungen unter Wasser auf Plastiktafeln.

Besonderer Hinweis

Kaum ein anderes Zeichenwerkzeug verbindet Schreiben und Zeichnen besser als der Bleistift. Je nach Einsatz der Bleistifte gibt es verschiedene Varianten der Minen-Fassungen, die den Einsatz in der Praxis erleichtern sollen - z.B. sechseckige, damit sie nicht davon rollen oder runde, damit sie nicht weh tun beim stundenlangem Gebrauch (z.B. beim Stenografieren). Technisches Zeichnen erleichtern z.B. feine Minen mit „Fixpencil-Halterungen“. Trotz Computer bleibt ist der Graphitstift ein unverzichtbares Werkzeug, das für Kunst und Handwerk unersetzbar bleiben wird.

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Literatur : Henry Petroski: Der Bleistift, Birkhäuser Basel, Berlin 1995 ISBN 3-7643-5047-4

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