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Farblexikon - die Farbe Gelb

 

Gelb – göttliche und verrufene Farbe

 

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Gelb wurde schon früh mit der Sonne und dem Himmel in Verbindung gebraucht.

Verschiedene Herrscherdynastien verkörperten mit gelber Farbe ihre Macht.

 

sonne

 

Die alten Kaiser von China beanspruchten zum Beispiel die Farbe Gelb für sich alleine und trugen safrangefärbte Kleider. Gelb war dem gemeinen Volk verboten.

Gold und Gelb sind oft gleichwertige Herrschaftsfarben bei frühen Hochkulturen.

 

aegypten

 

Das gilt im besonderen Masse bei den Pharaonen, die viele Goldgegenstände als Symbole ihrer göttlichen Macht zur Schau trugen. Im alten Rom wurde Gelb mit der weiblichen Lust in Verbindung gebracht und verkörperte damals käufliche Liebe.

 

gold

 

So geriet im Mittelalter Gelb lange in Verruf und wurde mit Neid, Geiz, Egoismus und Eifersucht in Verbindungen gebracht. Mit der Rückbindung der Kirche gewann die Farbe Gelb wieder zurück zu ihrer alten Bedeutung. Vor allem die Farbenlehre von Goethe stellte Gelb als Urfarbe wieder zurück in die Nähe der Sonne und verlieh Ihr eine positive Ausstrahlung.

 

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Gelb – eine der ältesten Farben der Menschheit

 

Gelber Ocker und roter Ocker begeisterten von Anfang an die ersten Menschen.

 

kreide

 

Viele prähistorische Bilder strahlen noch heute in gelber Farbe und bezeugen die besondere Bedeutung dieser kraftvollen Farbe. Auch als Schminck- , Schmuck- und Warnfarbe dürfte Gelb immer schon eine besondere Rolle gespielt habe.

 

malen

 

Gelb zieht unweigerlich Aufmerksamkeit auf sich und hat eine gute Fernwirkung. Gelb vermittelt Licht, Freude und Heiterkeit. Für farbige Kleidung war Gelb ein wichtiger Grundton, um weitere Farben herzustellen. Neben mineralischen Farben wurden früh gelbe Farbtöne auch aus Pflanzen gewonnen. Grün wurde meistens aus Gelb und Blau gemischt, da Grüne als haltbarer Farbton kaum herstellbar war.

 

sonnenblumen

 

Gelb - Einstieg in einen Farbenrausch

 

Die Provence gilt als Land der gelben Farbe. Cezanne, van Gogh, Bonnard und viele andere Maler/innen wurden von diesem Landstrich magisch angezogen. Wie ist das zu erklären? Durch die regelmässigen Mistralwinde herrscht in der Provence oft ein aussergewöhnlich klarer Himmel. Zusammen mit der intensiven Sonne des Südens und der ockerfarbenen Landschaften erstrahlt die Gegend in einer veritablen Farbenglut.

 

ockergrube

 

Vor etwa 15 Jahren habe ich zum ersten Mal einen unvergesslichen Farbenrausch in einer Ockergrube erlebt und kehre seither regelmässig mit farbinteressierten Kursteilnehmer/innen dorthin zurück. Erklärbar ist das Phänomen mitdem Entstehen negativer Nachbildern :

Negative Nachbilder entstehen auf Grund des »Verbrauchs« des Stoffs Rhodopsin in einigen Zellen, der eine »Ermüdung« einiger Fotorezeptoren der Netzhaut – der Stäbchen und Zapfen – zur Folge hat. Werden also lichtempfindliche Zellen etwa 30 Sekunden und mehr dem gleichen Reiz ausgesetzt, ist bei einigen Zellen das Potential erschöpft, sie »erblinden« vorübergehend und senden keine Signale mehr ans Gehirn. Die Zellen, die nicht vorübergehend »erblindet« sind, senden weiterhin Signale ans Gehirn. Dadurch entsteht der Eindruck eines Bildes in komplementärer Farbigkeit / Helligkeit. (Quelle : Martin Mierendorff)

Für den Betrachter/in bewirkt dieser Effekt einen Farbenrausch, der graue Steine blau und grüne Pflanzen unnatürlich metallisch erscheinen lässt. Verlässt man das Licht- und Farbenbad kehrt nach kurzer Zeit die natürliche Farbwahrnehmung zurück.

 

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Gelb – Renaissance der Naturfarbe

 

Wir leben in einer Welt der synthetischen Farben und haben die besondere Wirkung von Naturfarben aufs Auge fast vergessen. Schaut man in die in den Mikrokosmos der Pigmente werden die Unterschiede schnell sichtbar. Natürliche Pigmente sind vom Aufbau her viel abwechslungsreicher als die gleichförmigen Pigmente der Chemie. Diese Wirkungsweise erlebt man am schönsten bei den Häuserfassaden des Südens. Feine Tonabstufungen und lebendige Flächen prägen Naturpigment-Fassaden. Mittlerweile wurde dies Defizit erkannt und die gelben Farben der einzigen Ockergrube in Südfrankreich erleben eine Renaissance.

 

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